Zwischen therapeutischer Notwendigkeit und riskantem Missbrauch
Zusammenfassung
Der Gebrauch von Schmerzmitteln im Sport ist weit verbreitet und reicht von der Behandlung akuter Verletzungen über die Therapie hinzukommender Erkrankungen bis zur präventiven und leistungsorientierten Einnahme. Aktuelle Daten zeigen, dass insbesondere im Leistungssport ein erheblicher Anteil der Athlet:innen vor Wettkämpfen Analgetika einnimmt, mit teils deutlichen Unterschieden zwischen Sportarten. Auch im Breiten- und Ausdauersport ist der Konsum, oft ohne aktuelle Schmerzsymptomatik, relevant. Die verbreitete Annahme, durch pharmakologische Schmerzunterdrückung die Leistungsfähigkeit zu steigern, ist wissenschaftlich kaum belegt. Gleichzeitig birgt die Ausschaltung der physiologischen Warnfunktion des Schmerzes erhebliche medizinische Risiken, die nahezu alle Organsysteme betreffen können, von muskuloskeletalen Überlastungsschäden über gastrointestinale und renale Komplikationen bis zu kardiovaskulären und hepatotoxischen Nebenwirkungen. Eingebettet ist dieser Trend in einen gesellschaftlichen Kontext hoher Schmerzmittelverfügbarkeit und -akzeptanz. Ergänzend zeigen sportpsychologische Forschungsarbeiten, dass Schmerz und Verletzung von Athlet:innen als komplexes, subjektives und biopsychosoziales Phänomen erlebt werden, das häufig als integraler Bestandteil sportlicher Identität akzeptiert wird. Dies erklärt den oft unkritischen Umgang mit Analgetika, an dem neben Ärzt:innen auch Physiotherapeut:innen sowie weiteres Betreuungspersonal beteiligt sein können, was rechtliche und ethische Fragen aufwirft.
von Bernhard Taxer und Wolfgang Jaksch
(1) Abteilung für Neurologie, Neurointensivmedizin und Neurorehabilitation, Christian-Doppler-Universitätsklinikum, Zentrum für Kognitive Neurowissenschaften, Mitglied von ERN Epi CARE, Paracelsus-Medizinische Universität, Salzburg
(2) Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin, Klinik Ottakring, Wien
erscheint in SCHMERZ NACHRICHTEN 4/2026
„Es tut alles weh, aber man hat keine Zeit über die Schmerzen nachzudenken. Vor großen Wettkämpfen ohne ausreichende Erholungszeiten muss ich Schmerzmittel nehmen, sonst bin ich bald raus aus dem Geschäft.“
Teilnehmerin des Black-Forest-Ultra-Bike-Marathon [15]
„Zu viele Fußballspieler forcieren ihre Karriere durch die Einnahme von Schmerzmitteln, um die Schmerzgrenze zu überwinden. Vier von 10 Top-Spielern schlucken vor jedem Spiel Schmerzpillen, 60 % der Fußballspieler der WM 2010 in Südafrika nahmen Schmerzmittel, 39 % vor jedem Spiel.“
Sportmediziner der FIFA [15]
Diese beeindruckenden Zitate zeigen, dass der Einsatz von Analgetika im Sport ein vielschichtiges Phänomen darstellt, das sowohl medizinische als auch ethische und gesundheitsökonomische Dimensionen umfasst. Während Schmerzmittel eine essenzielle Rolle in der Behandlung akuter und chronischer Schmerzen spielen, hat sich insbesondere im Leistungs- und Freizeitsport ein besorgniserregender Trend zur nichtindizierten und oftmals präventiven Einnahme etabliert. Die vorliegende Arbeit beleuchtet die Verbreitung, Motive sowie Risiken des Analgetikakonsums im sportlichen Kontext und diskutiert daraus resultierende Implikationen für die klinische, multiprofessionelle Praxis.
Prävalenz und Motive des Analgetikagebrauchs im Sport
Die Einnahme von Schmerzmitteln im Sport erfolgt aus der klinischen Erfahrung heraus aus unterschiedlichen Beweggründen: zur Behandlung sportbedingter Verletzungen, zur Therapie interkurrenter Erkrankungen wie zum Beispiel fieberhaften Effekten, präventiv zur Vermeidung von Schmerzen oder – besonders kritisch zu betrachten – zur Leistungssteigerung. Insbesondere im Leistungssport zeigen sich alarmierende Zahlen: So nahm im Zeitraum von 2015/16 bis 2019/20 durchschnittlich jede:r dritte Athlet:in in Deutschland vor Wettkämpfen Analgetika ein. Am häufigsten wurden Ibuprofen, gefolgt von Diclofenac, Paracetamol und Etoricoxib verwendet. Auch im internationalen Profifußball ist der Konsum weit verbreitet. Studien berichten, dass etwa 60 % der Spieler bei Fußball-Weltmeisterschaften zwischen 2002 und 2014 Schmerzmittel einnahmen, ein erheblicher Anteil davon vor jedem Spiel [13, 14]. Im Breitensport zeigt sich ein vergleichbares Bild: Mehr als die Hälfte von über 1100 befragten Amateurfußballer:innen gab an, mehrmals pro Saison Analgetika zu konsumieren, wobei rund 40 % dies präventiv taten [9, 12]. Eine aktuellere und methodisch belastbarere Studie von Kopf et al. (2025) an 604 bayerischen Amateurfußballer:innen relativiert dieses Bild allerdings etwas: Zwar hatten 77 % im Laufe ihrer Karriere schon einmal Schmerzmittel eingenommen, doch geschah dies bei 75 % ausschließlich im Zusammenhang mit akuten Verletzungen, während eine regelmäßige oder häufige prophylaktische Einnahme nur bei einer kleinen Minderheit von 3,2 % der Befragten zu beobachten war. Die Autor:innen schließen daraus, dass ein eigentlicher Analgetikamissbrauch im Amateurfußball zwar existiert, sich aber offenbar auf eine kleinere Subgruppe konzentriert, statt ein flächendeckendes Phänomen darzustellen [5]. Besonders eindrücklich sind Daten aus dem Ausdauersport: Bei einer Befragung von rund 4000 Teilnehmenden des Bonn-Marathons berichtete etwa die Hälfte, bereits vor dem Start Schmerzmittel eingenommen zu haben – häufig ohne aktuelle Schmerzsymptomatik [6]. Diese Daten spiegeln sich auch in einer aktuellen Übersichtsarbeit von Leyk et al. (2023) wider, die zeigt, dass im Spitzensport der Konsum von Analgetika weit verbreitet ist und je nach Disziplin erhebliche Unterschiede zeigt: Während im Profitennis Prävalenzen von etwa 2,8 % berichtet werden, erreichen sie im Profifußball Werte von bis zu 54,2 %. Bemerkenswert ist zudem, dass Schmerzmittel im Leistungssport nicht selten prophylaktisch und ohne aktuelle Beschwerdesymptomatik eingenommen werden. Für den Breitensport gestaltet sich die Datenlage in diesem Review deutlich uneinheitlicher. Aufgrund der Heterogenität dieser Population fehlen bislang belastbare Evidenzen, die auf einen flächendeckenden Analgetikagebrauch schließen lassen. Im Bereich des Ausdauersports berichten jedoch immerhin 2,1 % von über 50.000 befragten Personen, Schmerzmittel mindestens einmal pro Monat im Zusammenhang mit sportlicher Aktivität einzunehmen [7].
Fehlannahmen zur Leistungssteigerung
Ein zentraler Treiber des Analgetikakonsums ist die Annahme, durch Schmerzunterdrückung die Leistungsfähigkeit steigern zu können. Diese Erwartung ist wissenschaftlich jedoch nur unzureichend belegt. Vielmehr zeigen Studien, dass die präventive Einnahme weder das Auftreten von Muskelkrämpfen reduziert noch die Abbruchrate signifikant senkt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass durch die pharmakologische Dämpfung nozizeptiver Signale die physiologische Warnfunktion des Schmerzes ausgeschaltet wird. Dies kann zu einer fortgesetzten Belastung geschädigter Strukturen führen und das Risiko für schwerwiegende Folgeschäden erhöhen [4].
Medizinische Risiken des Analgetikagebrauchs
Die Nebenwirkungen nichtopioider Analgetika betreffen nahezu alle Organsysteme und werden im sportlichen Kontext durch Faktoren wie Dehydratation, erhöhte metabolische Belastung und Mikrotraumatisierung verstärkt [8]. Bezogen auf das muskuloskeletale System kann die Unterdrückung von Schmerzsignalen zu einer Überlastung verletzter Gewebe führen. In der Folge drohen verzögerte Heilungsprozesse, strukturelle Schäden an Sehnen, Bändern und Knorpel sowie langfristig degenerative Veränderungen wie Arthrose. Die Hemmung der Prostaglandinsynthese begünstigt zudem Schleimhautschädigungen und Blutungen im Gastrointestinaltrakt. Gleichzeitig kann es durch reduzierte renale Perfusion zu akuten Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen kommen. Kardiovaskuläre Risiken nehmen auf Grund von Elektrolytstörungen, insbesondere Hyponatriämie, zu und können Herzrhythmusstörungen auslösen. Zudem sind Blutdruckveränderungen, Herzinsuffizienz und Myokardinfarkte beschrieben [1]. Weitere Nebenwirkungen wie Bronchospasmen, insbesondere unter Acetylsalicylsäure, hepatotoxische Effekte bei Paracetamol-Überdosierung sowie hämatologische Veränderungen wie Blutungsneigung und Sportleranämie ergänzen das Risikospektrum. Die klinische Relevanz dieser Risiken wird durch epidemiologische Daten unterstrichen: Nach Schmerzmitteleinnahme traten beim Marathonlauf Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, kardiovaskuläre Probleme und Nierenschäden bis zu achtmal häufiger auf [6].
Gesellschaftliche Dimension
Der Analgetikakonsum im Sport ist eingebettet in einen allgemeinen Trend hoher Schmerzmittelverwendung in der Bevölkerung. In Deutschland nehmen etwa 1,9 Mio. Menschen täglich Schmerzmittel ein, und nahezu die Hälfte der Bevölkerung berichtet über eine Einnahme innerhalb von 30 Tagen [7]. Die Daten für Österreich dürften sich nach Bereinigung in Bezug auf die Bevölkerungsgröße in ähnlichen Dimensionen befinden. Die breite Verfügbarkeit nicht verschreibungspflichtiger Analgetika sowie intensive Werbung tragen zu einem unkritischen Umgang bei. Schmerz wird zunehmend als zu eliminierendes Hindernis und nicht als biologisches Warnsignal wahrgenommen.
Die Rolle der Physiotherapie im Spannungsfeld von Leistung und Gesundheit
Die Betrachtung des Schmerzmittelkonsums im Sport bleibt unvollständig, wenn sie sich ausschließlich auf pharmakologische und epidemiologische Aspekte beschränkt. Ergänzend zeigen aktuelle sportpsychologische und qualitative Forschungsarbeiten, dass Schmerz im Sport ein komplexes, vielschichtiges und zutiefst subjektives Phänomen darstellt. Diese Perspektive ist entscheidend, um das Verhalten von Athlet:innen – insbesondere den oft unkritischen Einsatz von Analgetika – besser zu verstehen und adäquat darauf reagieren zu können. Zudem verdeutlicht die praktische Arbeit mit Sportler:innen, insbesondere im Profi- und Semiprofibereich, dass nicht selten auch Physiotherapeut:innen sowie weiteres nichtärztliches Betreuungspersonal, etwa Trainer:innen oder Masseur:innen, Schmerzmittel und andere Medikamente ohne ausreichende medizinische Indikationsstellung und fachliche Qualifikation weitergeben. Dieses häufig unkritische Vorgehen birgt nicht nur potenzielle gesundheitliche Risiken für die Athlet:innen, sondern bewegt sich darüber hinaus in einem rechtlich problematischen, mitunter sogar unzulässigen Bereich. Eine zentrale Grundlage hierfür bildet die systematische Übersichtsarbeit von Reussner et al. (2024), die 29 qualitative Studien zur Bedeutung von Verletzungen bei Eliteathlet:innen zusammenführt [11]. Ziel dieser Arbeit war es, die subjektiven Erfahrungen von Athlet:innen zu erfassen und zu verstehen, welche Rolle Verletzungen in deren Lebenswelt einnehmen. Die Ergebnisse zeigen klar, dass Verletzungen nicht als rein körperliches Ereignis erlebt werden, sondern als komplexes biopsychosoziales Geschehen, dessen Bedeutung subjektiv, dynamisch und kontextabhängig ist. Im Detail lassen sich fünf übergeordnete Bedeutungsdimensionen identifizieren [11]:
- Unwillkommene Unterbrechung: Verletzungen bedrohen sportliche Ziele und Karrieren.
- Zerstörung: Verletzungen können Identitätskrisen und Gefühle von Hoffnungslosigkeit auslösen.
- Stärkung und Neuausrichtung: Verletzungen bieten Potenzial für persönliche Entwicklung und Resilienz.
- Funktionieren im Alltag: Verletzungen werden als normaler Bestandteil des Leistungssports akzeptiert.
- Auszeit: Verletzungen ermöglichen Reflexion und Regeneration.
Diese Bedeutungsvielfalt verdeutlicht, dass Schmerz und Verletzung nicht objektiv „gegeben“ sind, sondern individuell interpretiert werden. Gerade im Spitzensport wird Schmerz häufig als integraler Bestandteil der sportlichen Identität verstanden. So zeigen qualitative Analysen, dass viele Athlet:innen Schmerz als „Teil des Athlet:innenseins“ akzeptieren und aktiv in ihr Leistungsverständnis integrieren [10]. Damit einher geht eine weitere zentrale Erkenntnis: Schmerz ist im Sport nicht gleichbedeutend mit Gewebeschaden. Vielmehr bewegt sich sportbezogener Schmerz auf einem Kontinuum zwischen klarer Verletzung und Schmerz ohne eindeutig nachweisbaren strukturellen Schaden. Die Schmerzintensität erlaubt dabei nur eingeschränkt Rückschlüsse auf das tatsächliche Ausmaß einer Gewebeschädigung [2]. Schmerz im Sport ist somit als multifaktorielles Phänomen zu verstehen, das neben biologischen Faktoren auch psychologische und soziale Einflussgrößen umfasst – etwa Erwartungen, Stress, Schlaf, Teamdynamiken oder Leistungsdruck [2]. Diese Komplexität spiegelt sich auch in der emotionalen Dimension wider: Athlet:innen berichten von Angst, Frustration, Schuldgefühlen und Unsicherheit, insbesondere bei persistierenden Beschwerden. Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die soziale Einbettung von Schmerz. Die Bewältigung („Coping“) hängt maßgeblich vom Umfeld ab – insbesondere von Trainer:innen, Teamkolleg:innen, Familie und medizinischem Betreuungspersonal. Gleichzeitig wird Kommunikation als Schlüsselfaktor für ein adäquates Schmerzmanagement hervorgehoben [10].
Implikationen für den Analgetikagebrauch
Diese Erkenntnisse liefern eine zentrale Erklärung für den verbreiteten Einsatz von Schmerzmitteln im Sport. Wenn Schmerz nicht primär als Warnsignal verstanden wird, sondern als normaler und erwarteter Bestandteil von Training und Wettkampf, erscheint seine pharmakologische Unterdrückung aus Sicht vieler Athlet:innen funktional und legitim.
Die Grenze zwischen sinnvoller Symptomkontrolle und riskanter Verschleierung von Warnsignalen wird dabei zunehmend unscharf. Insbesondere die Tatsache, dass Schmerz und Gewebeschaden nicht deckungsgleich sind, kann zu Fehlinterpretationen führen – sowohl im Sinne einer Unterschätzung als auch einer Überbewertung von Beschwerden.
Herausforderungen
Für Physiotherapeut:innen ergibt sich daraus eine hochkomplexe klinische und ethische Herausforderung. Sie agieren in einem Spannungsfeld zwischen: – dem Anspruch, Gesundheit und strukturelle Integrität zu schützen, – den leistungsorientierten Zielen der Athlet:innen sowie – den Erwartungen des sportlichen Umfelds.
Die Entscheidung für oder gegen den Einsatz von Analgetika ist dabei selten rein medizinisch. Vielmehr erfordert sie ein differenziertes Clinical Reasoning, das folgende Aspekte integriert: – Ausschluss von Red Flags und ernsthaften Pathologien, – Einschätzung der funktionellen Belastbarkeit, – Berücksichtigung psychosozialer Einflussfaktoren – sowie die individuelle Bedeutung, die Athlet:innen ihrem Schmerz zuschreiben.
Ein zentrales Ziel sollte es sein, Schmerz nicht ausschließlich zu „eliminieren“, sondern ihn zu verstehen, einzuordnen und funktionell zu managen. Dies umfasst insbesondere: – gezielte Belastungssteuerung, – Förderung von Selbstmanagementstrategien, – Anpassung von Kontext- und Verhaltensfaktoren.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Erkenntnis, dass eine Rückkehr zum Sport („return to sport“) unter bestimmten Bedingungen trotz bestehender Schmerzen möglich sein kann – vorausgesetzt, diese sind kontrollierbar und gehen nicht mit funktioneller Instabilität einher [2].
Zwischen Verständnis und Verantwortung
Die Verbindung von pharmakologischen, epidemiologischen und sportpsychologischen Erkenntnissen macht deutlich, dass Schmerz im Sport kein eindimensionales Phänomen ist. Für die physiotherapeutische Praxis bedeutet dies, dass Entscheidungen über den Einsatz von Analgetika nicht isoliert getroffen werden dürfen. Vielmehr bedarf es eines reflektierten, biopsychosozial orientierten Ansatzes, der die subjektive Perspektive der Athlet:innen ebenso berücksichtigt wie die medizinischen Risiken. Physiotherapeut:innen nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Sie sind nicht nur Behandler:innen, sondern auch Vermittler:innen, Aufklärende und Mitentscheidende in einem hochsensiblen Feld zwischen Leistungsoptimierung und Gesundheitsschutz [3]. Gerade in Situationen, in denen der Einsatz von Schmerzmitteln erwogen wird, zeigt sich die professionelle Verantwortung besonders deutlich – nämlich dort, wo kurzfristige Leistungsfähigkeit und langfristige Gesundheit potenziell in Konflikt geraten.
Verantwortung im Gesundheitssystem
Die Problematik des Analgetikamissbrauchs im Sport wirft auch rechtliche und ethische Fragen auf. Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen und Trainer:innen tragen eine besondere Verantwortung, da sie durch ihr Fachwissen maßgeblich Einfluss auf Entscheidungsprozesse von Athlet:innen haben. Eine nichtindizierte oder unzureichend aufgeklärte Schmerzbehandlung kann haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Dies zeigt besonders eindrucksvoll der Fall des kroatischen Ex-Profi-Fußballers Ivan Klasnić, der sein schmerzmittelbedingtes Nierenversagen publik machte und in weiterer Folge seinen ehemaligen Verein und die Mannschaftsärzte verklagte.
Schlussfolgerung
Der Gebrauch von Analgetika im Sport bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen therapeutischer Notwendigkeit und gesundheitsgefährdendem Missbrauch. Die vorliegenden Daten zeigen eindrücklich, dass insbesondere die präventive und leistungsorientierte Einnahme kritisch zu bewerten ist. Eine nachhaltige Verbesserung erfordert: – eine evidenzbasierte Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen, – eine kritische Reflexion kultureller und leistungsbezogener Normen im Sport, – strukturelle Maßnahmen wie eine strengere Regulierung von Werbung für frei verkäufliche Analgetika.
Nur durch ein interdisziplinäres Zusammenspiel von Medizin, (Sport-)Physiotherapie und Gesundheitspolitik kann ein verantwortungsvoller Umgang mit Schmerzmitteln im Sport etabliert werden.
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